Tierisches München
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Das Projekt

 Munich_GT

Ziel des Projektes "Tierisches München" ist es detaillierte Einblicke in die Anpassungsmechanismen von Kohlmeisen (Parus major) an ein Stadtleben zu gewinnen und die Faktoren, die diese Anpassungen hervorrufen, zu bestimmen.

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten und vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) unterstützen,  weltweit einzigartigen Projekts, wurden im Herbst 2013 200 Nistkästen im gesamten Münchner Stadtgebiet aufgehängt. Über einen Zeitraum von 3 Jahren werden Brutgeschehen und Territorialverhalten der Vögel beobachtet. Um alle unterschiedlichen Umweltbedingungen (warm/kalt, laut/leise, hell/dunkel) umfassend abzudecken, wurden die Nistkästen entlang verschiedener Stadt-Land-Gradienten verteilt. Dies erlaubt es Rückschlüsse darauf zu ziehen, welche speziellen Umweltbedingungen Unterschiede im Bruterfolg bzw. von Verhaltensweisen hervorrufen.

Ca. 100 wissenschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger, sog. "Citizen Scientists", haben im Rahmen des Projektes eine Patenschaft für einen Nistkasten und somit für eine Vogelfamilie übernommen. Diese Nistkästen hängen auf den Grundstücken der Patinnen und Paten und werden von diesen in regelmäßigen Abständen während der Brutsaison im Frühjahr kontrolliert. Das Team von "Tierisches München" führt ebenfalls nach Absprache mit den Bürgerinnen und Bürgern weitere Kontrollen, sowie Verhaltenstests mit den Kohlmeisen durch.

Weitere 100 Nistkästen wurden an Bäumen des Baureferats Gartenbau der Stadt München im gesamten Stadtgebiet aufgehängt. Diese Nistkästen werden von Mitgliedern des Teams "Tierisches München" während der Brutsaison im Frühjahr ebenfalls regelmäßig kontrolliert.

Bei den Kontrollen werden Daten zum Brutgeschehen (Nestbau, Eiablage, Schlupfzeitpunkt, Flüggewerden) gesammelt. Zudem werden Verhaltenstests durchgeführt, die es ermöglichen, Verhaltensanpassungen an ein Stadtleben zu erforschen.

Die Studie wird dabei helfen, einen der häufigsten Stadtvögel, die Kohlmeise, besser kennenzulernen. Ganz konkret werden durch dieses Projekt neue Informationen über die Verbreitung von Kohlmeisen in München, die Brutbedürfnisse von Stadtvögeln und die Anpassungsleistungen von Kohlmeisen an ein Stadtleben, gewonnen.

 

München mit Bergen

 

Anpassungen an Stadtleben

Weltweit nimmt die Verstädterung rasant zu, wodurch sich die Lebensbedingungen vieler Tiere ändern. So sind Städte im Vergleich zu ländlichen Gebieten

  • wärmer (Wärmeinseleffekt)
  • lauter (Lärmverschmutzung)
  • stärker beleuchtet (Lichtverschmutzung)
  • stärker durch Luftverunreinigungen belastet (Luftverschmutzung)

Diese veränderten Lebensbedingungen stellen Tiere vor die Herausforderung, sich möglichst schnell anzupassen, um ihr Überleben und ihre Fortpflanzung zu sichern.

Anpassungen können sich in der Physiologie von Tieren (z.B. veränderte Hormonhaushalte) oder in konkreten Verhaltensweisen widerspiegeln. So ist bei einigen Vogelarten bekannt, daß Stadttiere früher anfangen zu brüten und weniger stressempfindlich sind als ihre Artgenossen vom Land.

Welche Faktoren solche Verhaltensänderungen hervorrufen und ob, beziehungsweise wie sich Tiere an variable Umweltbedingungen anpassen ist bisher jedoch kaum erforscht.

  • Urbane Kohlmeise im Video



    Hier finden Sie ein Video zu einem unserer Verhaltensversuche.

    In diesen Territorialtests untersuchen wir, wie aggressiv sich die Männchen gegenüber arteigenen Eindringlingen verhalten. Dabei wird eine ausgestopfte, männliche Kohlmeise (im Käfig) in einem Abstand von einem Meter vor dem Nistkasten aufgestellt und gleichzeitig Gesang einer Kohlmeise vorgespielt. Während dem Versuch zeichnen wir auf, ob und wie intensiv der "Nistkasteninhaber" einen Eindringling attackiert. Die Verhaltenstests werden dreimal an unterschiedlichen Tagen und zu unterschiedlichen Zeiten durchgeführt.

    Die Erkenntnisse aus diesen Versuchen erlauben es, Rückschlüsse auf den Einfluß menschlicher Aktivität und von Verstädterung auf das Verhalten von Kohlmeisen zu ziehen. mehr